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Aufbau von Beisshemmung im Welpen


Welpen beissen - und das hat auch seinen guten Grund. Viele Welpenbesitzer machen sich Sorgen, wenn ihr Hundekind zunächst wild um sich beisst, weil sie befürchten einen aggressiven Hund zu haben. Dabei handelt es sich bei dem so genannten Spielbeissen um völlig normales Welpenverhalten. In der Tat machen mir die Welpen Sorgen, die NICHT beissen, wenn sie noch klein sind. Das Spielbeissen des Welpen sorgt nämlich dafür, dass der kleine Hund lernt, seine Zähne richtig einzusetzen - eine wichtige Lektion fürs spätere Leben.

Beagle

Die Kombination aus schwachen Kiefern und extrem spitzen Zähnchen plus dem nicht zu bremsenden Interesse alles anzuknabbern, resultiert in so genanntem Spielbeissen - schmerzhaft, aber in der Regel ohne ernste Folgen. Der Welpe lernt dadurch im Laufe seiner Entwicklung durch Feedback von seinen Spielkameraden wie fest er zubeissen kann, lange bevor er wirklich Schaden anrichten kann. Je mehr Gelegenheit der Welpe hat, mit anderen Hunden und Menschen an seiner Beisshemmung zu arbeiten, desto besser ist diese im erwachsenen Hund. Welpen, die ohne Kontakt zu anderen Hunden oder Tieren aufwachsen, sind daher auf die Hilfe ihrer Besitzer angewiesen.

Natürlich wird dass Spielbeissen letztendlich völlig eliminiert. Ein erwachsener Hund kann nicht Familie, Freunde oder gar Fremde anknabbern wie es Welpen tun - auch nicht im Spiel. Trotzdem sollte das Spielbeissen im Welpen nicht sofort komplett unterdrückt werden, denn dann lernt der Hund nie, wieviel Kraft er in seinem Kiefer hat. Stattdessen sollte das Spielbeissen langsam in vier Schritten abgebaut werden. So kann der Welpe zunächst lernen sich beim Beissen zu kontrollieren, bevor er dann lernt, dass Menschenhaut grundsätzlich nicht mit den Zähnen berührt werden darf.


Schritt 1

Zunächst geht es darum, dem Welpen beizubringen, Menschen nicht zu verletzen. Dabei sollte der Welpe nicht gescholten und ganz bestimmt nicht bestraft werden, wenn er im Spiel beisst. Das macht die Sache nämlich normalerweise schlimmer. Körperliche Bestrafungen sorgen dafür, dass der Welpe zum einen noch aufgeregter wird - und aufgeregte Welpen beissen - und zum anderen kann das Temperament des Welpen Schaden nehmen, weil unabsichtlich das Vertrauen in den Besitzer zerstört wird. Trotzdem ist es wichtig, den Welpen wissen zu lassen, wenn er zu fest beisst. Normalerweise reicht es, wenn man quietscht und den Kontakt zum Welpen sofort abbricht. Die Lautstärke des "Aufschreis" sollte dabei dem Temperament des Welpen angepasst sein; ein leises "Au!" reicht für einen schüchternen Welpen aus, während die etwas stürmischeren Vertreter manchmal eine etwas heftigere Reaktion benötigen.

Den Welpen anzuschreien, körperlich zu strafen, festzuhalten oder zu versuchen, ihn in eine Hundebox zu schaffen steigern in der Regel den Grad der Aufregung und sollten vermieden werden. Am effektivsten ist es, jeden Kontakt zum Welpen sofort abzubrechen und den Raum kurz zu verlassen. Schliessen Sie dabei die Tür hinter sich. Geben Sie dem Welpen etwa 2 Minuten darüber nachzudenken, warum sein Spielkamerad das Interesse am Spiel verloren hat und gehen Sie dann wieder zu ihm. Lassen Sie den Welpen nicht länger alleine, Sie wollen dem Welpen ja zeigen, dass Sie ihn immer noch mögen; nur sein raues Spiel hat Ihnen nicht gefallen. Rufen Sie ihn zu sich, lassen Sie ihn kurz absitzen, und dann spielen Sie weiter. Idealerweise sollte der Welpe im Alter von drei Monaten gelernt haben, dass man Menschen nicht weh tun darf.

Es ist immer besser den Raum kurz zu verlassen als zu versuchen, den Hund festzuhalten oder ihn gewaltsam "auf die Strafbank" zu schicken. Überlegen Sie also vorher, wo Sie mit Ihrem Hund spielen, damit Sie bei Bedarf den Raum verlassen können und ihr Welpe in Ihrer Abwesenheit keinen Schaden anrichten kann.

Diese Methode funktioniert selbst bei dem penetrantesten Welpen. Auf die gleiche Art lernen Welpen im Spiel mit anderen Hunden und Welpen; wenn ein Welpe zu hart beisst werden die anderen Welpen sich von ihm abwenden und nicht mit ihm spielen wollen. Damit lernt der "Aggressor", dass er seine Kräfte zügeln muss - sonst steht er bald alleine da.

Schritt 2

Im zweiten Schritt unterbinden Sie das Spielbeissen ganz. Auch wenn das Beissen jetzt nicht mehr weh tut, warten Sie darauf, dass der Welpe etwas härter zugreift als gewöhnlich und tun so, als ob das weh getan hätte. Der Welpe denkt sich vermutlich, dass Menschen echte Weicheier sind - und genau das wollen wir erreichen. Der Hund soll extrem vorsichtig sein, wenn er mit uns spielt. Im Alter von vier bis fünf Monaten sollte der Welpe keinerlei Druck mehr ausüben, wenn er mit seiner Schnauze unsere Hand umfasst.

Schritt 3

Jetzt ist es and der Zeit die Häufigkeit des Spielbeissens zu reduzieren und die Spielunterbrechung unter Signalkontrolle zu stellen. Es ist OK zu beissen, aber nur so lange, bis wir Stopp sagen. Warum? Nun, weil es zum Beispiel total anstrengend ist wenn man versucht einen Kaffe zu trinken oder ein Telefongespräch zu führen, während einem ein 20 kg Welpe am Handgelenk hängt.

Eine einfache Methode ist die Handfütterung. Dabei können Sie Ihrem Welpen innerhalb kürzester Zeit die Bedeutung von "Lass es" und "Nimm's" beibringen. Regelmäßiges Füttern von Hand hilft außerdem dabei, das weiche Maul des Welpen zu erhalten und sein Vertrauen in Menschen an seinem Futternapf zu fördern. Nachdem man dem Welpen die Bedeutung des Signals "Lass es" beigebracht hat, kann man dies auch dazu verwenden, Spielbeissen zu unterbrechen. Wenn der Welpe an Ihnen herum knabbert, sagen Sie "Lass es" und bieten ihm ein Leckerchen an. Loben Sie den Welpen , wenn er loslässt und geben Sie die Futterbelohnung frei. Nicht vergessen, der Sinn dieser Übung ist es, dem Welpen beizubringen, dass er auf Signal aufhören soll zu beissen, also lassen Sie ihn ruhig wieder mit Ihrer Hand spielen. Wiederholen Sie dies mehrere Male in einer Übungseinheit. Am Ende geben Sie dem Welpen einen Kauartikel.

Sollte Ihr Welpe nicht loslassen, wenn Sie das Signal geben, dann verfahren Sie wie gehabt: Quietschen Sie übertrieben auf, stürmen Sie aus dem Raum und schliessen Sie die Tür für eine Weile. Nach einer Weile lassen Sie den Welpen wieder zu sich, aber geben Sie ihm für ein paar Stunden keine Gelegenheit, Sie zu beissen.

Im Alter von fünf Monaten sollte Ihr Welpe ein so butterweiches Maul haben wie ein 14-jähriger Labrador aus einer Arbeitslinie. Er sollte niemals Druck ausüben und auf Signal sofort aufhören zu beissen. Perfektes Timing, denn jetzt bekommt der Welpe sein endgültiges Gebiss, und es ist nicht länger akzeptabel, wenn er seine Zähne auf menschliche Haut legt, egal wie vorsichtig, und egal wie freundlich seine Intentionen. In diesem Alter sollte der Junghund niemals unaufgefordert menschliche Körperteile oder Kleidung festhalten.

Schritt 4

Ob Sie Ihrem Hund verbieten, jemals im Spiel ihre Hand zu ergreifen liegt an Ihnen. Für Ersthundbesitzer oder Familien mit Kleinkindern ist es sicherlich einfacher, dem Hund im Alter von etwa 6 Monaten das Spielbeissen ganz zu verbieten. Zu leicht gerät das Spiel ausser Kontrolle, der Hund fährt sich hoch und beginnt fester zuzugreifen. Aus diesem Grund empfehlen viele Hundetrainer, mit dem Hund keine rauen Spiele zu veranstalten. Wenn er allerdings keine Gelegenheit zum Üben hat, wird der Biss des Hundes mit der Zeit natürlich wieder härter. Man sollte also zumindestens den Hund von Zeit zu Zeit von Hand füttern und ihm täglich die Zähne kontrollieren und putzen, also Übungen, bei denen der Besitzer die Hand in das Maul des Hundes steckt. Darüber hinaus hat der Hund hoffentlich ausreichend Gelegenheit seine Beisshemmung im Umgang mit Artgenossen zu üben.

Besitzer mit einer Portion gesundem Menschenverstand können auch regelmäßig mit ihrem Hund rangeln. Damit der Hund dabei niemals ausser Kontrolle gerät müssen allerdings strenge Regeln eingehalten werden. Dabei lernt der Hund, dass er nur mit den Händen spielen darf, niemals darf er einen Menschen an der Kleidung festhalten. Da Schnürsenkel, Krawatten, Hosen und Ärmel keine Nervenzellen haben, kann man dem Hund sonst kein Feedback geben, wenn er zu rau spielt. Aus diesem Grund darf man auch NIEMALS Handschuhe anziehen, wenn man mit dem Hund spielen möchte. Sonst lernt der Hund ganz schnell, viel fester zuzubeissen, als er das normalerweise tun würde. Gespielt wird nur auf Aufforderung, auf Signal ist das Spiel zu Ende. Der Hund lernt dabei, sich auch zu kontrollieren, wenn er aufgeregt ist.

Mögliche Probleme

Ein häufiger Fehler ist es, den Welpen zu betrafen, damit er nicht mehr beisst. Bestenfalls hört der Welpe dann damit auf, zumindest in Bezug auf das Familienmitglied, welches gestraf hat. Meist richtet er dann sein Spielbeissen aber gegen die Familienmitglieder, die den Welpen nicht kontrollieren können, oft die Kinder. Die Eltern sind sich oftmals darüber nicht bewusst, weil der Welpe es bei ihnen ja gar nicht mehr versucht. Schlimmstenfalls beisst der Welpe auch im Spiel überhaupt nicht mehr. Damit hat er keine Gelegenheit zu lernen, wie stark er seine Zähne einsetzen kann. Das geht so lange gut, bis jemand aus Versehen auf den Schwanz des Hundes tritt. Wenn der Hund dann beisst bricht er meist sofort die Haut, denn er hat ja nie gelernt wie viel Druck er ausüben kann ohne Schaden anzurichten. (Und in der Regel will er keinen Schaden anrichten, somdern nur eine Warnung ausprechen...).

Sehr schüchterne Welpen spielen oftmals nicht mit anderen Hunden und Menschen und lernen daher auch nicht, wie viel Druck sie ausüben können. Ein Klassiker in der Verhaltensberatung; als Welpe hat der Hund nie Kontakt zu Menschen oder Hunden aufgenommen und daher auch niemals im Spiel gebissen. Dann fällt ein fremdes Kind über den Hund, während der an seinem Knochen kaut. Der Hund beisst zu, und der erste Biss seiner Karriere hinzterlässt gleich tiefe Wunden, weil er überhaupt keine Beisshemmung hat. Deswegen sollten Sie mit Ihrem Welpen Kontakt zu anderen Hundebesitzern suchen - möglichst bevor der Welpe älter als 18 Wochen ist.

Wenn es in Ihrer Nähe keine spielfreudigen Hund gibt, besuchen Sie eine unserer Welpenspielgruppen, dort finden sich auf jeden Fall andere "spielbeisswütige" Welpen und Junghunde!



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