Zu Hause kann er das!

  • Bettina Alfaro
  • 26.10.2021
  • Ankündigungen Kursplan

“Mein Hund kennt schon alle Grundkommandos.”. Das hören wir ja oft. Gerne auch vom Besitzer des 12-Wochen alten Welpen. Nun gut, “alle” liegt ja sowieso mal im Auge des Betrachters - obwohl es in diversen Welpenbüchern sicher auch Listen gibt, was ein junger Hund so alles wann können sollte. Wenn das Gelernte dann vorgeführt werden soll, geht es meist schief. Es folgt dann: “Zuhause kann er das!”. Ja, glaube ich sogar. Aber…

“Zu Hause kann er das” hilft uns ja nicht so wirklich weiter. Die meisten abgerufenen Verhalten (altdeusch “Grundkommandos”) brauche ich ja nicht zu Hause, sondern irgendwo im Leben, weil es meinem Jungspund an Selbstkontrolle fehlt und ich selbige eben von aussen ausüben muss. “Komm mal zu mir”, “Leg dich mal ruhig da unter den Tisch”, “Spring die Oma nicht an”, “Warte ab bis ich fertig bin mich zu unterhalten” oder kurz “Hierher”, “Chill”, “Sitz” oder “Ruhe” braucht man ja doch eher mitten im Leben - wo man noch nie geübt hat, ohne dass der Hund vorher aufgewärmt wurde, ohne Kekse in der Hand und auch wenn der Hund gerade sehr aufgeregt ist oder was anderes im Kopf hat. Und dann wird klar; Hunde lernen Kontext bezogen. Im Training nennt man das generalisieren. Hunde sind ausgesprochen schlecht im Generalisieren, weswegen man dies gezielt üben muss. Tun aber die wenigsten, ergo… siehe oben. 

“Kann” dein Hund also auf Signal absitzen? Finden wir es doch heraus.

Geh an den Ort, wo die bislang mit deinem Hund trainiert hast, schnapp dir eine Hand voll leckere Belohnungshappen und stelle sicher, dass dein Hund diese auch wirklich haben will. Dann stellst du dich vor deinen Hund und sagst “Sitz”. Oder was immer dein Signal ist. Handzeichen gilt auch! Der Hintern deines Hundes plumpst enthusiastisch auf den Boden. Super!

Jetzt das gleiche noch mal, mit einer kleinen Änderung. Du drehst deinem Hund den Rücken zu und schaust die Wand an. “Sitz!”. Was passiert?

In neun von zehn Fällen geht das schief, der Hund steht ratlos in der Landschaft, versucht zwischen dich und die Wand zu kommen oder wandert ab und sucht sich eine andere Beschäftigung. Und nein, der Hund war weder unmotiviert noch hatte er ein Problem mit der Umgebung (du warst ja in einer ablenkungsarmen, bekannten Umgebung, dem Ort, an dem du immer trainierst, richtig?). Deswegen war er auch nicht abgelenkt. Und er konnte dich auch hören und sehen. Eigentlich hast du nur eine Sache geändert; deine Ausrichtung zum Hund. Beim ersten Versuch hast du vor ihm gestanden und ihn angeschaut, beim zweiten Mal hast du ihm den Rücken zugedreht. Was war also das Problem?

Du hast den Kontext geändert. Dein Hund hat gelernt zu sitzen, wenn du ihn anschaust, und dieses Bild hast du nun geändert. Dein Hund ist weder dickköpfig noch doof. Er kennt nur die relevanten Variablen noch nicht. Um ehrlich zu sein, er “kann” noch kein Sitz. Er kennt “wenn mein Besitzer in der Küche formier steht, mich anschaut und einen Keks in der Hand hält und Sitz sagt, dann lohnt es sich ihm ins Gesicht zu gucken” (wobei zufällig der Hintern auf den Boden plumpst, weil das dann einfacher ist). 

Und wenn dein Hund den Test bestanden und sich hingesetzt hat? Super, dann seid ihr schon einen Schritt weiter. Dann schauen wir jetzt mal, wie gut er die Variablen wirklich kennt, sprich weiß, welche Anzeichen relevant sind. Geh mit deinem Hund an einen bekannten Ort, nimm ein paar Futterhappen in die Hand, von denen du weißt, dass dein Hund sie haben möchte (Jetzt! Nicht vorgestern! Also kurz testen!). Warum so offensichtlich, dein Hund kann das auch schon wenn wir weniger deutlich sind? Genau deswegen; wir wollen sicher sein dass dein Hund voll bei der Sache ist und sich alle Mühe gibt, diese Belohnung zu bekommen. Damit wissen wir dann nämlich auch, wenn der Versuch jetzt fehlschlägt, dann gibt es noch Lücken im Training und es liegt nicht an mangelnder Motivation, Unsicherheit wegen neuer Umgebung oder anwesenden Menschen/Hunden etc.

Los geht’s. Kann dein Hund sitzen, wenn du auf einem Stuhl sitzt? Kann dein Hund sitzen, wenn du auf dem Boden liegst? Wenn du an die Decke starrst? Wenn du hinter einer Trübst, also außer Sicht? Wenn dein Hund irgendwo erhöht steht (auf einer Box oder dem Sofa)? Wenn dein Partner im Raum ist?

Versuche so viele Variationen, wie dir einfallen - in Maßen! Es geht nicht darum, deinen Hund zu einem Fehler zu verleiten. Du willst nur wissen, wo es in deiner Grunderziehung noch Nachholbedarf gibt. Also denke dir Dinge aus, die für deinen Alltag relevant sind und die dein Hund bewältigen kann. Und natürlich darfst du nicht alle diese Tests hintereinander machen - wenn dein Hund 10x gesessen hat wird er annehmen, dass sich auch das elfte Mal Sitzen lohnt, egal was sonst so passiert. Dann weißt du aber immer noch nicht ob er sich auch setzen kann wenn dein Kind mit einem Eishörnchen neben deinem Hund steht, oder ob er das Muster erkannt hat. Muster erkennen können Hunde nämlich wiederum sehr gut!

Wenn dein Hund einen Fehler macht, dann überlege wie du es einfacher machen kannst. Wenn dein Hund sich nicht setzen kann, wenn du auf dem Stuhl sitzt - kriegt er es hin, wenn du dich nur auf den Stuhl lehnst? Belohne jeden Erfolg und bleibe auch bei Misserfolgen freundlich und mache den nächsten Versuch einfacher. 

All diese Sachen wollen wir auch in unserem neuen Fortgeschrittenenkurse üben. Dabei geht es darum, Übungen so zu generalisieren, dass sie in den Alltag übertragbar sind. 

Kann dein Hund auch sitzen, wenn du keine Belohnungshappen mehr in der Hand hast? (Wir reduzieren die Verstärker)

Kann dein Hund auch sitzen, wenn eine Schüssel mit Thunfisch neben ihm auf dem Counter steht? (Ablenkungen)

Kann dein Hund an einem Ort sitzen, an dem er noch nie gewesen ist? (Umwelt)

Kann dein Hund sitzen, wenn ein fremder Mensch im Raum ist? (Emotionen)

Und wenn man sich darüber im Klaren ist, dann wird auch deutlich dass dein Hund nicht dickköpfig, manipulativ oder pubertär ist, wenn er deine Signale nicht ausführt. Wenn dein Hund wüsste, wie man unter diesen Umständen sitzen kann - denkbar einfaches Verhalten - und dann die Belohnung abstaubt, dann würde er das nämlich tun! Er will ja fressen/spielen oder was immer dein Motivationsmittel ist. 

Wenn dein Hund ein gelerntes Verhalten nicht zeigen kann, weil du die Belohnung nicht mehr in der Hand hälst, dann hat er schlicht und ergreifend noch nicht verstanden, dass er trotzdem Zugang dazu hat - mit deiner Hilfe. 

Das Futter auf dem Counter ist nur zugänglich mit deiner Hilfe. Die Tür nach draussen öffnet sich nur, wenn sie anbietet sich zu setzen und abzuwarten. 

Sitzen lohnt sich überall. Auch an Orten, an denen man noch nie war.

Und wenn dein Hund in Anwesenheit fremder Hunde oder Menschen sein gelerntes Verhalten nicht abrufen kann, dann fühlt er sich nicht sicher. Und da körperliche Unversehrtheit wichtiger ist als ein paar Kekse in der Hand, werden diese als Motivationsmittel nicht ausreichen. (Und du hast ein ganz anderes Problem als Generalisieren von gelernten Verhalten, was du in jedem Fall zuerst angehen solltest, am besten mit professioneller Hilfe, denn dass einfache Motivationsmittel, auch bekannt als Ablenkung, nicht helfen weißt du ja jetzt schon).

Kurz, dein Hund kann unter diesen (und vielen anderen) Umständen nicht auf das gelernte Verhalten zurückgreifen. Noch nicht! Aber das kannst du ihr ja beibringen. Allerdings bringt es nichts, weiterhin in deiner Küche zu stehen und Sitz zu üben - DAS kann er ja nun tatsächlich schon. Du musst deinem Hund systematsch beibringen, dieses Verhalten auch in einem anderen Kontext abzurufen. 

Dieser Prozess des Generalisieren ist das, womit fortgeschrittene Trainer (Hundetrainier sind damit ebenso gemeint wie Hundesportler, Asisstenzhundetrainer, Jäger, Schäfer, etc.) den Großteil ihrer Trainingszeit verwenden; der Hund kann Verhalten vor Publikum, in überfüllten Räumen und an neuen Orten abrufen. Ein bestimmtes Verhalten aufzutrainieren ist einfach, das schafft auch der Hundeanfänger in der Regel schnell. Aber halten diese Verhalten auch unter nicht idealen Bedingungen stand? Da liegt die Herausforderung!

Und deswegen sind wir hier!

Der neue Kurs "Zuhause kann er das" beginnt diese Woche und läuft über 10 Einheiten, immer Mittwochs um 17:00 Uhr. Wenn die Hund 4-5 Verhalten zu Hause mit Motivationsmittel in der Hand beherrscht, dann ist dieser Kurs das Richtige für dich. Absolventen des Junghundekurses oder Alltagstrainingskurses, Anwärter auf den Hundeführerschein oder fortgeschrittene Quereinsteiger kommen klar. 

Außerdem sollte dein Hund sozialverträglich sein, ansonsten bieten wir zunächst andere Kurse oder Einzeltraining an, um euch in dem Bereich zu helfen.

Noch sind Plätze frei, hier geht's zur Buchung.

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